Dalwhinnie - Auch in der Destillerie klare Kante

Der von Dieter so oft beklagte Werteverfall, insbesondere das Umsichgreifen von N.a.s.-Whisky und die zunehmende Dominanz von auf der einen Seite Mode- und Lifestyletrinkern und auf der anderen Seite Luxussammlern, macht auch vor der Keimzelle allen Whiskys, der Destillerie, selbst nicht halt, wie ich im Spätsommer 2017 bei Dalwhinnie erfahren mußte.

Warum ich ein NASzi bin

Zugegeben. Für Außenstehende mutet der Debatte etwas akademisch-weltfremdes an und ehrlich gesagt weiß ich auch nicht, ob ich das präzise Alter eines Whiskys bei einer Blindverkostung schmecken würde. Und wenn ich noch ehrlicher bin, dann schätze ich sogar bei einigen Whiskys ihre stürmische, wilde Jugend und es müssen für mich nicht immer die 18plus-Jahre-Flaschen sein.

Leben im Felde

Dieter hatte diese Möglichkeit immer geleugnet. Aber jetzt war es soweit. Ich befand mich abgeschnitten von einer normalen Versorgung für drei Tage irgendwo in Sachsen-Anhalt. Im Restaurant des Hotels gab es Whisky. Aber die Auswahl war mehr als notdürftig ...

Meine kurze Reise zu mir selbst

Steve hat es an anderer Stelle schon erwähnt: Ich bin ein Lagavulin-Mann. Genauer gesagt ein Lagavulin-16-Jahre-Standard-Abfüllungs-Mann. Ich war das schon, als Single-Malt-Trinken noch nicht hip war. Ich war es, bevor Horst Lüning sein erstes – in der Szene längst legendäres – Video über genau diesen Whisky hochlud.

Wir müssen reden

Liebe Leser – oder vielleicht auch nur lieber Leser, die genaue Auswertung der Zugriffszahlen ist mir derzeit nicht zugänglich – wir müssen reden. Ich bin Dieter. Ja genau, der Dieter von dem Sie in diesem Block schon so häufig gelesen haben.

Billiger Whisky? Nein Danke?

Neulich war in bei mir zu Hause in einem kleinen Laden, der Wein und Spirituosen führt. Die Inhaber, zwei rührende alte Leute, bedienen selbst. Die taten mir leid. Aber der Dalwhinnie 16 kostete rund 55 Euro und ich fühlte mich beobachtet. Ich ging, ohne was zu kaufen.

Laphroaig 18 eingestellt? Fakenews und Insides.

Mit der leichten und sogar mobilen Verfügbarkeit des Internet hat die Möglichkeit, Wissen zu teilen unglaublich zugenommen. Aber es ist eben nur eine Möglichkeit. Das Netz bietet genau so gut die Möglichkeit, unfassbare Mengen an Unsinn zu teilen. Auch in Bezug auf Whisky wird davon ausreichend Gebrauch gemacht.

Laphroaig. Oder: Warum ich Tastingvideos hasse.

Ich hatte Dieter vor Weihnachten nach einer Empfehlung gefragt, was ich mir für die Feiertage kaufen sollte. Er hatte mir den Laphroaig 18 genannt. Ich erinnere mich genau an das Gespräch - und vor allem an meine dumme Antwort. "Nein danke, der ist mir zu heftig". Wie kam ich auf diesen Unsinn, obwohl ich niemals einen Laphroaig getrunken hatte? Wegen der Tastingvideos natürlich.

Whisky oder Whiskey?

Für Mode-Whiskytrinker gibt es große Probleme (z.B. "Warum rieche und schmecke ich bloß nicht die tollen Obstsorten wie der Typ in den Tastingvideos?") und kleine Probleme (z.B. "Whisky oder Whiskey?").

Highland Park in den Händen der Marketeers!

Es gibt Leute, die wünschen sich die "gute alte Zeit" zurück. Die sieht in ihrer Vorstellung ungefähr so aus: Eine malerische Destillerie (natürlich in Familienbesitz). Zwei, drei knorrigen Schotten, die unter dem Kommando eines wettergegerbten Brennmeisters arbeiten. Whisky, der in aller Ruhe in Handarbeit hergestellt wird. ... Ungefähr so, wie die Idylle der alten Jack Daniels-Werbung. Nur eben auf Schottisch und mit Torfrauch. ... Ich gebe zu, dass mir diese Vorstellung auch gefällt.

Die Geburt des Massengetränks Whisky.

Dass der Whisky, den wir trinken, nicht mehr viel mit dem gemeinsam hat, der vor 100 Jahren getrunken wurde, ist spätestens seit dem Auffinden intakter Flaschen im Permafrost bekannt, die die Männer der Shackleton-Expedition dort zurückgelassen hatten. Weniger bekannt ist, wie Whisky überhaupt in den 1860er Jahren Massengetränk wurde.*

Glas- und Glaubensfragen

Wenn Sie einigermaßen chronologisch gelesen haben und immer noch dabei sind, halten Sie auch den folgenden Text aus. Wenn Sie neu sind, muss ich Sie warnen. Es könnte weh tun. Denn es geht um die Zerstörung eines Mythos. Es geht um die Frage, woraus ich Whisky trinke.

Treasure Island. Wie beschenke ich mich selbst mit Whisky.

Dieter sagte einmal, er habe deshalb Whiskyflaschen in seinem Wohnzimmerschrank aufgestellt, weil er sich allein schon an dem Anblick erfreue. Und tatsächlich reihen sich bei ihm die Schachteln vieler verschiedener Lagavulin-, Laphroaig- und andere Brennereien-Abfüllungen wie Buchrücken aneinander. Ich habe das nachgeahmt und auch meine Stammflaschen im Wohnzimmer im Blick (auch, wenn es viel weniger sind), aber ich mache auch das krasse Gegenteil und verstecke Flaschen vor mir selbst.

Salz und Torf riechen nach nichts.

Dieter behauptete neulich, ich würde engstirnig Kriterien für Whisky festlegen, den ich mögen würde. Bourboncask, nicht gefärbt, kein N.a.s., nicht zu jung, nicht zu alt etc. Er hatte natürliche Unrecht, denn ich habe eben einen bestimmten Geschmack und beschreibe ihn lediglich anhand dieser Erfahrungswerte. Ich verteidigte mich mit dem Hinweis, ich möge ganz verschiedene Dinge, etwa auch maritime Malts und deren Salzaroma. Da war ich natürlich an den Falschen geraten!

Einsteigerwhisky. Warum ich das Wort hasse.

Es gibt eine Reihe von Tastingvideos von zwei Autoren*, die bei verschiedenen Abfüllungen von "Einsteigerwhisky" sprechen. Sie unterscheiden diesen von "Spitzenwisky" oder gar "Sammlerwhisky". Ich mag die Tastings dieser Leute ohnehin nicht besonders. Zu viel N.a.s., zu viel Informationen, die man selbst vom Etikett ablesen könnte, zu wenig Verständnis dafür, warum man was schmeckt.