Billiger Whisky? Nein Danke?

Neulich war in bei mir zu Hause in einem kleinen Laden, der Wein und Spirituosen führt. Die Inhaber, zwei rührende alte Leute, bedienen selbst. Die taten mir leid. Aber der Dalwhinnie 16 kostete rund 55 Euro und ich fühlte mich beobachtet. Ich ging, ohne was zu kaufen.

Laphroaig 18 eingestellt? Fakenews und Insides.

Mit der leichten und sogar mobilen Verfügbarkeit des Internet hat die Möglichkeit, Wissen zu teilen unglaublich zugenommen. Aber es ist eben nur eine Möglichkeit. Das Netz bietet genau so gut die Möglichkeit, unfassbare Mengen an Unsinn zu teilen. Auch in Bezug auf Whisky wird davon ausreichend Gebrauch gemacht.

Laphroaig. Oder: Warum ich Tastingvideos hasse.

Ich hatte Dieter vor Weihnachten nach einer Empfehlung gefragt, was ich mir für die Feiertage kaufen sollte. Er hatte mir den Laphroaig 18 genannt. Ich erinnere mich genau an das Gespräch - und vor allem an meine dumme Antwort. "Nein danke, der ist mir zu heftig". Wie kam ich auf diesen Unsinn, obwohl ich niemals einen Laphroaig getrunken hatte? Wegen der Tastingvideos natürlich.

Whisky oder Whiskey?

Für Mode-Whiskytrinker gibt es große Probleme (z.B. "Warum rieche und schmecke ich bloß nicht die tollen Obstsorten wie der Typ in den Tastingvideos?") und kleine Probleme (z.B. "Whisky oder Whiskey?").

Highland Park in den Händen der Marketeers!

Es gibt Leute, die wünschen sich die "gute alte Zeit" zurück. Die sieht in ihrer Vorstellung ungefähr so aus: Eine malerische Destillerie (natürlich in Familienbesitz). Zwei, drei knorrigen Schotten, die unter dem Kommando eines wettergegerbten Brennmeisters arbeiten. Whisky, der in aller Ruhe in Handarbeit hergestellt wird. ... Ungefähr so, wie die Idylle der alten Jack Daniels-Werbung. Nur eben auf Schottisch und mit Torfrauch. ... Ich gebe zu, dass mir diese Vorstellung auch gefällt.

Die Geburt des Massengetränks Whisky.

Dass der Whisky, den wir trinken, nicht mehr viel mit dem gemeinsam hat, der vor 100 Jahren getrunken wurde, ist spätestens seit dem Auffinden intakter Flaschen im Permafrost bekannt, die die Männer der Shackleton-Expedition dort zurückgelassen hatten. Weniger bekannt ist, wie Whisky überhaupt in den 1860er Jahren Massengetränk wurde.*

Glas- und Glaubensfragen

Wenn Sie einigermaßen chronologisch gelesen haben und immer noch dabei sind, halten Sie auch den folgenden Text aus. Wenn Sie neu sind, muss ich Sie warnen. Es könnte weh tun. Denn es geht um die Zerstörung eines Mythos. Es geht um die Frage, woraus ich Whisky trinke.

Treasure Island. Wie beschenke ich mich selbst mit Whisky.

Dieter sagte einmal, er habe deshalb Whiskyflaschen in seinem Wohnzimmerschrank aufgestellt, weil er sich allein schon an dem Anblick erfreue. Und tatsächlich reihen sich bei ihm die Schachteln vieler verschiedener Lagavulin-, Laphroaig- und andere Brennereien-Abfüllungen wie Buchrücken aneinander. Ich habe das nachgeahmt und auch meine Stammflaschen im Wohnzimmer im Blick (auch, wenn es viel weniger sind), aber ich mache auch das krasse Gegenteil und verstecke Flaschen vor mir selbst.

Salz und Torf riechen nach nichts.

Dieter behauptete neulich, ich würde engstirnig Kriterien für Whisky festlegen, den ich mögen würde. Bourboncask, nicht gefärbt, kein N.a.s., nicht zu jung, nicht zu alt etc. Er hatte natürliche Unrecht, denn ich habe eben einen bestimmten Geschmack und beschreibe ihn lediglich anhand dieser Erfahrungswerte. Ich verteidigte mich mit dem Hinweis, ich möge ganz verschiedene Dinge, etwa auch maritime Malts und deren Salzaroma. Da war ich natürlich an den Falschen geraten!

Einsteigerwhisky. Warum ich das Wort hasse.

Es gibt eine Reihe von Tastingvideos von zwei Autoren*, die bei verschiedenen Abfüllungen von "Einsteigerwhisky" sprechen. Sie unterscheiden diesen von "Spitzenwisky" oder gar "Sammlerwhisky". Ich mag die Tastings dieser Leute ohnehin nicht besonders. Zu viel N.a.s., zu viel Informationen, die man selbst vom Etikett ablesen könnte, zu wenig Verständnis dafür, warum man was schmeckt.

Sommerwhisky oder gleich Gin?

"Whisky ist ja nichts für den Sommer". Mit dieser Einstellung sollten sie sich fragen, ob Whisky was für Sie ist. Und das ist noch höflich ausgedrückt. Dieter würde es wesentlich schärfer formulieren.
Ich bin natürlich verbindlicher und pragmatischer als er. Also gut, es gibt für mich Getränke, die eine Jahreszeit haben. Whisky gehört nicht dazu.

Notfallpläne: N.a.s. und Blends.

Vielleicht kennen Sie das: Man ist am Flughafen, hat die Sicherheitskontrolle passiert und noch genug Zeit. Zeitung lesen und Kaffeetrinken kann man nachher im Flugzeug. Also schaut man sich im Duty Free Shop um.

Preisfragen und Vertrauensfragen.

Ich bin weit davon entfernt, Experte für Whisky zu sein. Aber nicht so weit vom Expertenstatus für den Preis von Whisky - zumindest Experte für die Preise meiner Marken. So behaupte ich z.B. dass ich Old Pulteney 12, Talisker 10 und Highland Park 12 jederzeit für um die 30 Euro die Flasche bekomme. Und zwar inklusive Porto.

Trinkertypen und Waffenfragen.

Ich gebe zu: Meine Erfahrungen mit Whisky sind begrenzt. Ich bin dabei, die Auswahl von Abfüllungen, die mich interessieren, zu erweitern. Aber ich teste nichts, um es zu testen. Ich werde mich z.B., wenn überhaupt, nur sehr begrenzt mit Nachreifungen befassen. Ich weiß, ich mag sie in aller Regel nicht und gut. Etwas stört mich auch das Ausmaß an Manipulation des Getränks bei der Nachreifung. Aber das ist ein anderes Thema. Ich denke aber nicht, das mein Geschmack allgemeinverbindlich ist und bin bereit, etwas Neues zu probieren.

Bourbon oder Sherry. Eine Fassfrage.

Sie wissen vermutlich besser als ich, dass es, außer auf den Brennereicharakter, das Darren mit Torffeuer und andere Faktoren vor allem auf das Fass ankommt. Es ist ein bisschen so wie beim Schuß auf Wild: Es ist nicht nur der Schütze, die Waffe, das Kaliber und die Optik. Es ist vor allem das Geschoss und sein Verhalten. Das mit dem Fass brauchen wir hier also nicht weiter zu erörtern. Ich könnte das auch gar nicht.